Warum bringen dich manche Situationen im Schulalltag völlig aus der Ruhe, während andere Lehrkräfte scheinbar gelassen bleiben?
Warum fällt es dir vielleicht schwer, Nein zu sagen, während jemand anderes problemlos Grenzen setzt?
Warum möchtest du Konflikte möglichst schnell aus der Welt schaffen – oder hast das Bedürfnis, eine Situation unbedingt wieder unter Kontrolle zu bekommen?
Unsere Reaktionen haben nicht nur mit dem zu tun, was passiert. Sie haben auch damit zu tun, welche Erwartungen, Überzeugungen und Verhaltensmuster wir mitbringen.
Dieser Persönlichkeitstest für Lehrer:innen lädt dich deshalb zu einem kleinen Perspektivwechsel ein:
Welches Muster übernimmt bei dir besonders häufig das Steuer?
Vielleicht möchtest du es allen recht machen. Vielleicht brauchst du viel Klarheit und Kontrolle. Vielleicht gehst du Konflikten lieber aus dem Weg. Oder du fühlst dich schnell für alles verantwortlich.
Finde es heraus.
Hinweis: Dieser Test ist kein wissenschaftlich validierter Persönlichkeitstest und ersetzt keine psychologische Diagnostik. Die vier Lehrertypen sind vereinfachte Reflexionsmuster. Sie sollen dir helfen, dein eigenes Verhalten im Schulalltag bewusster wahrzunehmen.
Inhalt des Beitrags
Persönlichkeitstest für Lehrer: Welcher Lehrertyp bist du?
Der Test besteht aus 12 typischen Situationen aus dem Schulalltag.
Lies jede Situation und entscheide dich für die Antwort, die deinem spontanen Verhalten oder Denken am ehesten entspricht.
Versuche dabei nicht, die pädagogisch „richtige“ Antwort zu finden.
Es geht nicht darum, wie eine gute Lehrkraft reagieren sollte.
Es geht darum, wie du tatsächlich reagierst.
So funktioniert der Test:
Notiere dir zu jeder Frage einfach die Nummer und deinen gewählten Buchstaben – zum Beispiel 1A, 2C, 3B.
Nach Frage 12 findest du einen einfachen Auswertungsschlüssel.
Wichtig zur Einordnung dieses Tests
Der Persönlichkeitstest in diesem Beitrag wurde ausschließlich als Impuls zur Selbstreflexion für diesen Blogartikel entwickelt.
Er ist nicht der Persönlichkeitstest aus meinem Buch „Mein Ego hat Ferien“ und die hier beschriebenen vier Muster – Harmonie, Kontrolle, Vermeidung und Verantwortung – entsprechen nicht den Persönlichkeitstypen aus dem Buch.
Wenn du „Mein Ego hat Ferien“ bereits kennst, solltest du die beiden Modelle deshalb nicht miteinander gleichsetzen oder die Ergebnisse übertragen. Der Test auf dieser Seite steht für sich und soll dir lediglich dabei helfen, typische Reaktionen und Verhaltensmuster aus deinem Schulalltag einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
1. Eine Kollegin bittet dich kurzfristig, noch eine Aufgabe zu übernehmen.
Eigentlich bist du bereits ziemlich ausgelastet.
A: Ich sage wahrscheinlich trotzdem zu. Ich möchte sie nicht hängen lassen.
B: Ich frage erst genau nach, was zu tun ist und wie es erledigt werden soll.
C: Ich versuche, mich nicht sofort festzulegen und hoffe, dass sich eine andere Lösung findet.
D: Ich überlege sofort, wie ich die zusätzliche Aufgabe irgendwie noch unterbringen könnte.
2. Ein Elternteil kritisiert deine Entscheidung deutlich.
Was passiert zuerst in deinem Kopf?
A: Ich überlege sofort, was ich zusätzlich tun könnte, um das Problem zu lösen.
B: Ich frage mich, ob der Elternteil jetzt schlecht über mich denkt.
C: Ich möchte erklären, warum meine Entscheidung richtig und nachvollziehbar war.
D: Die Situation ist mir unangenehm und ich möchte das Gespräch möglichst schnell wieder beruhigen.
3. Deine Unterrichtsstunde läuft völlig anders als geplant.
A: Ich frage mich, was ich bei der Vorbereitung übersehen habe.
B: Ich improvisiere und bin erst einmal froh, wenn wir ohne größere Schwierigkeiten durch die Stunde kommen.
C: Ich achte besonders darauf, ob meine Schüler trotzdem zufrieden mit der Stunde sind.
D: Das ärgert mich. Ich hatte einen Plan und möchte wieder Struktur in die Stunde bekommen.
4. Ein Schüler ist offensichtlich unzufrieden mit dir.
A: Wenn meine Entscheidung sachlich richtig war, bleibe ich dabei.
B: Ich frage mich, was ich tun könnte, damit die Situation wieder besser wird.
C: Das beschäftigt mich. Mir ist ein gutes Verhältnis zu meinen Schülern wichtig.
D: Ich würde die Spannung gern möglichst schnell aus der Welt schaffen.
5. Im Kollegium gibt es einen schwelenden Konflikt.
A: Solange ich nicht direkt betroffen bin, halte ich mich lieber heraus.
B: Ich versuche, es möglichst allen recht zu machen und keine Seite zu enttäuschen.
C: Ich versuche zu vermitteln und fühle mich schnell mitverantwortlich.
D: Ich wünsche mir eine klare Aussprache und eine konkrete Lösung.
6. Die Schulleitung fragt, wer eine zusätzliche Aufgabe übernehmen könnte.
A: Ich denke schnell: Irgendjemand muss es schließlich machen.
B: Ich möchte zunächst genau wissen, was erwartet wird und wer wofür verantwortlich ist.
C: Wenn sich niemand meldet, bekomme ich schnell ein schlechtes Gewissen.
D: Ich warte erst einmal ab und hoffe, dass sich jemand anderes meldet.
7. Du bekommst kritisches Feedback zu deiner Arbeit.
A: Kritik ist mir unangenehm. Ich würde das Thema am liebsten nicht weiter vertiefen.
B: Ich überlege sofort, was ich verbessern muss.
C: Ich prüfe zuerst, ob die Kritik sachlich überhaupt gerechtfertigt ist.
D: Mich beschäftigt vor allem, dass jemand mit mir unzufrieden ist.
8. Am Abend sind noch mehrere schulische Dinge unerledigt.
A: Unerledigte Aufgaben lassen mich schwer abschalten. Ich möchte sie möglichst abhaken.
B: Ich erledige vor allem die Dinge, auf die andere warten könnten.
C: Ich mache häufig doch noch etwas, obwohl ich eigentlich Feierabend machen wollte.
D: Besonders unangenehme Aufgaben schiebe ich manchmal auf den nächsten Tag.
9. Jemand ist enttäuscht, weil du Nein gesagt hast.
A: Ich suche sofort nach einer Alternative, mit der ich vielleicht doch noch helfen kann.
B: Genau solche Situationen sind der Grund, warum ich ungern ein klares Nein ausspreche.
C: Ich bekomme schnell ein schlechtes Gewissen und überlege, mein Nein zurückzunehmen.
D: Wenn mein Nein gut begründet war, halte ich daran fest – auch wenn mich die Reaktion ärgert.
10. Ein Schüler provoziert dich wiederholt.
A: Ich möchte deutlich machen, welche Regeln gelten und dass diese eingehalten werden müssen.
B: Ich frage mich, warum wir offenbar keinen guten Draht zueinander finden.
C: Ich versuche, der Provokation möglichst wenig Raum zu geben und eine Eskalation zu vermeiden.
D: Ich überlege, was ich noch ausprobieren könnte, damit sich sein Verhalten verändert.
11. Eine Aufgabe im Team wird nicht so erledigt, wie du es dir vorgestellt hast.
A: Im Zweifel übernehme ich einen Teil selbst, damit es am Ende funktioniert.
B: Ich möchte niemanden vor den Kopf stoßen und spreche das Problem deshalb sehr vorsichtig an.
C: Es fällt mir schwer, nicht einzugreifen, wenn etwas anders läuft als vereinbart.
D: Ich lasse es vielleicht erst einmal laufen, um keine unnötige Diskussion anzufangen.
12. Du hast eine besonders anstrengende Schulwoche hinter dir.
Was beschäftigt dich am Wochenende am ehesten?
A: Mir fallen sofort Dinge ein, die ich in der kommenden Woche noch erledigen oder verbessern müsste.
B: Die Dinge, die nicht so gelaufen sind, wie sie sollten.
C: Ich möchte von den Problemen erst einmal überhaupt nichts mehr hören.
D: Ob ich allen ausreichend gerecht geworden bin.
Auswertung: Welcher Lehrertyp bist du?
Du hast dir deine Antworten notiert, zum Beispiel 1A, 2C, 3B …?
Dann ist die Auswertung ganz einfach.
Schau in deinen Antworten nach, welche der folgenden Kombinationen du gewählt hast.
Für jede Übereinstimmung gibt es einen Punkt:
Harmonie-Typ
1A · 2B · 3C · 4C · 5B · 6C · 7D · 8B · 9C · 10B · 11B · 12D
Kontroll-Typ
1B · 2C · 3D · 4A · 5D · 6B · 7C · 8A · 9D · 10A · 11C · 12B
Vermeidungs-Typ
1C · 2D · 3B · 4D · 5A · 6D · 7A · 8D · 9B · 10C · 11D · 12C
Verantwortungs-Typ
1D · 2A · 3A · 4B · 5C · 6A · 7B · 8C · 9A · 10D · 11A · 12A

Jetzt zählst du nur noch, in welcher Zeile die meisten deiner Antworten vorkommen.
Beispiel:
Du hast 1A gewählt? → 1 Punkt Harmonie.
Du hast 2C gewählt? → 1 Punkt Kontrolle.
Du hast 3A gewählt? → 1 Punkt Verantwortung.
Der Typ mit den meisten Punkten zeigt das Muster, das sich in deinen Antworten am stärksten zeigt.
Gleichstand? Dann lies dir beide Auswertungen durch. Vielleicht zeigt sich das eine Muster stärker im Unterricht und das andere eher gegenüber Eltern, Kollegium oder Schulleitung.
Schauen wir uns dein Ergebnis genauer an.
Überwiegend A: Der Harmonie-Typ

Dir sind Beziehungen wichtig.
Du hast vermutlich ein gutes Gespür dafür, wie es anderen Menschen geht, und möchtest, dass sich Schüler, Eltern und Kollegen in deiner Gegenwart gesehen und ernst genommen fühlen.
Das ist im Lehrerberuf eine große Stärke.
Schwierig kann es werden, wenn sich ein zunächst hilfreicher Gedanke unbemerkt verändert:
Aus
„Mir sind andere Menschen wichtig.“
wird dann vielleicht
„Andere dürfen nicht unzufrieden mit mir sein.“
Und plötzlich bekommt die Reaktion anderer eine enorme Bedeutung.
Ein Schüler ist sauer auf dich und du fragst dich noch am Abend, ob du zu streng warst.
Eine Kollegin bittet dich um Hilfe und du sagst Ja, obwohl du eigentlich keine Zeit hast.
Ein Elternteil kritisiert dich und du gehst das Gespräch anschließend immer wieder im Kopf durch.
Nicht unbedingt, weil deine Entscheidung falsch war.
Sondern weil jemand mit dir unzufrieden war.
Deine Stärke
Empathie, Beziehungsorientierung und ein gutes Gespür für andere.
Deine mögliche Falle
Die Zufriedenheit anderer wird unbemerkt zum Maßstab dafür, ob du richtig gehandelt hast.
Dadurch kann es schwer werden, Grenzen zu setzen oder auszuhalten, dass jemand deine Entscheidung nicht gut findet.
Frage dich:
Was würde ich in dieser Situation entscheiden, wenn ich nicht dafür verantwortlich wäre, dass alle mit meiner Entscheidung zufrieden sind?
Überwiegend B: Der Kontroll-Typ
Du magst Klarheit.
Du bereitest dich vor, denkst voraus und möchtest, dass Dinge funktionieren.
Wenn du Verantwortung übernimmst, möchtest du dich darauf verlassen können, dass Absprachen eingehalten werden.
Auch das ist eine große Stärke.
Unterricht braucht schließlich Struktur. Schüler brauchen Orientierung. Und Schulen würden vermutlich ziemlich schnell im Chaos versinken, wenn niemand Verantwortung für Abläufe übernehmen würde.
Schwierig wird es, wenn aus
„Ich möchte gut vorbereitet sein.“
unbemerkt
„Es muss so laufen, wie ich es geplant habe.“
wird.
Denn Schule hält sich erstaunlich selten an unsere Pläne.
Ein Schüler reagiert anders als erwartet.
Eine perfekt vorbereitete Stunde entwickelt ein Eigenleben.
Ein Kollege erledigt eine Aufgabe auf seine Weise.
Eltern teilen deine Einschätzung nicht.
Und plötzlich kostet etwas sehr viel Energie, das du nur begrenzt beeinflussen kannst.

Deine Stärke
Struktur, Klarheit, Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein.
Deine mögliche Falle
Du investierst viel Kraft in den Versuch, Dinge zu kontrollieren, die außerhalb deines Einflussbereichs liegen.
Frage dich:
Was davon liegt tatsächlich in meiner Hand – und was darf anders laufen, als ich es mir vorgestellt habe?
Überwiegend C: Der Vermeidungs-Typ

Du hast vermutlich ein gutes Gespür dafür, wann Situationen eskalieren könnten.
Du musst nicht aus jedem Problem einen Konflikt machen und kannst manche Dinge einfach stehen lassen.
Das kann eine große soziale Kompetenz sein.
Nicht jede Bemerkung braucht eine Reaktion. Nicht jede Meinungsverschiedenheit muss ausdiskutiert werden.
Doch manchmal bezahlen wir kurzfristige Ruhe mit langfristiger Unruhe.
Das schwierige Elterngespräch wird verschoben.
Ein Problem mit einem Kollegen bleibt unausgesprochen.
Eine Grenze wird nicht klar benannt.
Ein Verhalten im Unterricht wird länger toleriert, als es dir eigentlich guttut.
Heute musst du die unangenehme Situation nicht aushalten.
Dafür ist sie morgen immer noch da.
Vielleicht sogar größer als vorher.
Deine Stärke
Besonnenheit, Zurückhaltung und die Fähigkeit zur Deeskalation.
Deine mögliche Falle
Du vermeidest nicht nur unnötige Konflikte, sondern gelegentlich auch notwendige.
Frage dich:
Welches unangenehme Gespräch würde mir langfristig mehr Ruhe bringen, wenn ich es jetzt führen würde?
Überwiegend D: Der Verantwortungs-Typ
Wenn etwas nicht funktioniert, suchst du nach Lösungen.
Du wartest nicht lange darauf, dass jemand anderes aktiv wird. Du denkst mit, packst an und übernimmst Verantwortung.
Schulen brauchen Menschen mit dieser Haltung.
Aber Verantwortung hat eine interessante Eigenschaft:
Sie kann wachsen.
Aus
„Was kann ich beitragen?“
wird irgendwann
„Was muss ich noch tun, damit es funktioniert?“
Eine Aufgabe bleibt liegen – also erledigst du sie.
Ein Schüler hat Schwierigkeiten – also überlegst du, was du zusätzlich machen könntest.
Eine Kollegin braucht Unterstützung – also springst du ein.
Niemand meldet sich freiwillig – also hebst du die Hand.
Und irgendwann trägst du nicht mehr nur deine Verantwortung.
Du trägst auch einen Teil der Verantwortung anderer.

Deine Stärke
Engagement, Initiative und Lösungsorientierung.
Deine mögliche Falle
Du fühlst dich für Dinge zuständig, die nicht allein deine Aufgabe sind.
Dadurch kann es schwerfallen, Aufgaben liegen zu lassen oder Verantwortung bewusst bei anderen zu belassen.
Frage dich:
Ist das gerade wirklich meine Verantwortung – oder übernehme ich sie nur, weil sonst vielleicht niemand einspringt?
Du bist nicht einfach „ein Lehrertyp“
Persönlichkeitstests verführen zu einem interessanten Gedanken:
„Aha. So bin ich also.“
Genau darum sollte es bei diesem Test nicht gehen.
Vielleicht hast du achtmal A gewählt und erkennst dich stark im Harmonie-Typ wieder.
Das bedeutet nicht, dass du der Harmonie-Typ bist.
Viel interessanter ist: Wann verhältst du dich so?
Vielleicht kannst du gegenüber Kollegen problemlos Nein sagen, während dir das gegenüber deiner Schulleitung ausgesprochen schwerfällt.
Vielleicht reagierst du bei Unterrichtsstörungen sehr kontrollierend, gehst Konflikten im Kollegium aber lieber aus dem Weg.
Oder du fühlst dich bei deinen Schülern für alles verantwortlich, kannst private und berufliche Aufgaben ansonsten sehr gut voneinander trennen.

Wir sind keine vier Buchstaben.
Deshalb ist nicht das Etikett interessant.
Interessant ist das Muster dahinter.
Persönlichkeit zeigt sich nicht nur darin, wie wir auf Konflikte oder andere Menschen reagieren. Auch unsere Erwartungen an uns selbst können interessante Muster sichtbar machen. Wenn du beispielsweise nur schwer akzeptieren kannst, dass etwas einfach „gut genug“ ist, findest du im Beitrag Perfektionismus als Lehrer:in weitere Fragen und Impulse zur Selbstreflexion.
Was hat dein Ergebnis mit deinem Ego zu tun?
Im Schulalltag reagieren wir häufig nicht nur auf das, was gerade passiert.
Wir reagieren auch auf unsere Vorstellung davon, wie etwas sein sollte.
Vielleicht kennst du Gedanken wie:
- Ich muss eine gute Lehrerin sein.
- Meine Schüler müssen mich respektieren.
- Ich darf niemanden enttäuschen.
- Ich muss das im Griff haben.
- Ich muss helfen.
- Ich darf keine Fehler machen.
- Die anderen müssen verstehen, dass ich recht habe.

Solange alles unseren Erwartungen entspricht, bemerken wir diese inneren Sätze oft gar nicht.
Interessant wird es, wenn jemand sie durchkreuzt.
Ein Schüler respektiert unsere Grenze nicht.
Ein Elternteil kritisiert unsere Entscheidung.
Ein Kollege lehnt unsere Idee ab.
Die Unterrichtsstunde funktioniert trotz guter Vorbereitung nicht.
Oder jemand ist enttäuscht, weil wir Nein sagen.
Plötzlich entstehen Ärger, Schuldgefühle, Unsicherheit oder der Wunsch, die Situation unbedingt wieder in Ordnung zu bringen.
Und genau dort kann Selbstreflexion beginnen. Nicht ausschließlich mit der Frage:
„Warum verhält sich der andere so?“
Sondern zusätzlich mit:
„Warum trifft mich genau dieses Verhalten so stark?“
Persönlichkeit entwickeln heißt nicht, jemand anderes zu werden
Bei Persönlichkeitsentwicklung entsteht schnell der Eindruck, wir müssten bestimmte Eigenschaften loswerden.
Weniger harmoniebedürftig.
Weniger kontrollierend.
Konfliktfreudiger.
Weniger verantwortungsbewusst.
Darum geht es nicht.
Denn in jedem dieser Muster steckt eine Fähigkeit.


Der Harmonie-Typ bringt Empathie mit.
Der Kontroll-Typ schafft Struktur.
Der Vermeidungs-Typ kann deeskalieren.
Der Verantwortungs-Typ packt an.
Das Ziel ist deshalb nicht, diese Eigenschaften abzulegen.
Es geht darum, eine Wahl zu bekommen.
Kann ich empathisch sein, ohne es jedem recht machen zu müssen?
Kann ich Struktur schaffen, ohne alles kontrollieren zu wollen?
Kann ich deeskalieren und trotzdem ein notwendiges Gespräch führen?
Kann ich Verantwortung übernehmen und trotzdem erkennen, wann etwas nicht meine Verantwortung ist?
Genau dort wird aus einem automatischen Muster eine bewusste Entscheidung.
Vom Lehrertyp zur Selbstreflexion
Dein Testergebnis ist deshalb weniger eine Antwort als eine Einladung, genauer hinzuschauen.
Beobachte dein stärkstes Muster in den nächsten Tagen.
Versuche zunächst gar nicht, es zu verändern. Achte stattdessen auf fünf Fragen:
- In welchen Situationen taucht dieses Muster besonders häufig auf?
- Bei welchen Menschen zeigt es sich besonders stark?
- Welcher Gedanke geht meiner Reaktion voraus?
- Was befürchte ich, wenn ich anders reagieren würde?
- Welche andere Reaktion wäre möglich?
Vielleicht stellst du fest:
Ich sage nicht Ja, weil ich die Aufgabe wirklich übernehmen möchte. Ich sage Ja, weil ich die Enttäuschung meines Kollegen vermeiden möchte.
Oder:
Mich ärgert gar nicht, dass die Stunde anders läuft. Mich ärgert, dass ich das Gefühl bekomme, die Kontrolle zu verlieren.
Solche kleinen Erkenntnisse verändern nicht sofort unser Verhalten. Aber sie schaffen etwas Entscheidendes:
Abstand zwischen Situation und Reaktion.
→ Hier findest du weitere Selbstreflexionsübungen für Lehrer.
Wenn du deine Muster besser verstehen möchtest
Vielleicht hast du dich bei einer der vier Auswertungen ziemlich deutlich wiedererkannt.
Genau mit solchen Denk- und Reaktionsmustern beschäftigt sich auch „Mein Ego hat Ferien“.
Dabei geht es nicht darum, die perfekte Lehrkraft zu werden.
Und auch nicht darum, dir noch mehr Dinge vorzunehmen, die du im Schulalltag „besser machen“ solltest.
Im Gegenteil.
Es geht darum, die eigenen Muster überhaupt erst zu erkennen:
- Warum trifft mich eine bestimmte Bemerkung?
- Warum fällt mir Nein sagen so schwer?
- Warum möchte ich unbedingt recht haben?
- Warum übernehme ich Verantwortung, obwohl sie eigentlich nicht bei mir liegt?
- Warum kann ich manche Dinge so schwer loslassen?

Je besser du diese Mechanismen bei dir selbst erkennst, desto eher kannst du entscheiden, wie du tatsächlich handeln möchtest – statt automatisch immer wieder auf dieselbe Weise zu reagieren.
Kann sich die Lehrerpersönlichkeit verändern?
Unsere Persönlichkeit verschwindet natürlich nicht nach ein paar Reflexionsfragen.
Und das muss sie auch nicht.
Aber wir können lernen, eigene Verhaltensmuster früher wahrzunehmen.
Genau darin liegt ein großer Unterschied.
Wer erst nach einem Konflikt erkennt, dass er sich persönlich angegriffen gefühlt hat, kann daraus etwas lernen.
Wer diesen Moment irgendwann während des Konflikts erkennt, bekommt bereits eine Wahl.
Und wer sein Muster so gut kennt, dass er es kurz vor der automatischen Reaktion bemerkt, gewinnt noch mehr Handlungsspielraum.
Persönlichkeitsentwicklung bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, ein anderer Mensch zu werden.
Sie kann bedeuten, bewusster mit dem umzugehen, was ohnehin in uns steckt.
Wenn dich dieses Thema interessiert, lies auch:
→ Lehrerpersönlichkeit: Was eine gute Lehrerpersönlichkeit wirklich ausmacht

Häufige Fragen zum Persönlichkeitstest für Lehrer:innen
Welche Lehrertypen gibt es?
Es gibt keine allgemein verbindliche Einteilung aller Lehrkräfte in bestimmte Lehrertypen. Die vier Typen in diesem Test – Harmonie, Kontrolle, Vermeidung und Verantwortung – sind vereinfachte Reflexionsmuster. Sie sollen dabei helfen, typische Reaktionen im Schulalltag bewusster wahrzunehmen.
Was macht eine gute Lehrerpersönlichkeit aus?
Eine gute Lehrerpersönlichkeit lässt sich nicht auf einen bestimmten Typ reduzieren. Eigenschaften wie Empathie, Klarheit, Selbstreflexion, Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, angemessene Grenzen zu setzen, können im Schulalltag hilfreich sein. Entscheidend ist auch, das eigene Verhalten an unterschiedliche Situationen anpassen zu können.
Kann man seine Lehrerpersönlichkeit verändern?
Persönlichkeit ist komplex. Dennoch können Menschen ihre Verhaltensweisen reflektieren und neue Reaktionsmöglichkeiten entwickeln. Schon das frühere Erkennen eigener Muster kann dabei helfen, in schwierigen Situationen bewusster zu handeln.
Ist dieser Persönlichkeitstest wissenschaftlich?
Nein. Dieser Persönlichkeitstest für Lehrer ist kein wissenschaftlich validiertes Testverfahren und dient nicht der psychologischen Diagnostik. Die Ergebnisse sind als Impulse zur Selbstreflexion und zur Stärkung von Soft Skills gedacht – weitere Anregungen zur Verbesserung der Soft Skills als Lehrkraft findest du hier.
Warum ist Selbstreflexion für Lehrer wichtig?
Lehrkräfte treffen täglich Entscheidungen und erleben Situationen, in denen Emotionen, Erwartungen und persönliche Erfahrungen eine Rolle spielen. Selbstreflexion kann dabei helfen, eigene Reaktionen besser zu verstehen und zwischen automatischem Verhalten und bewusster Entscheidung zu unterscheiden.
Was mache ich mit meinem Testergebnis?
Betrachte dein Ergebnis nicht als Etikett, sondern als Ausgangspunkt. Beobachte im Schulalltag, wann das entsprechende Muster tatsächlich auftaucht. Besonders interessant sind Situationen, in denen du merkst, dass deine Reaktion stärker ausfällt, als du eigentlich möchtest.
Welches Muster hast du bei dir entdeckt?
Vielleicht bist du überwiegend der Harmonie-Typ.
Vielleicht erkennst du deinen Wunsch nach Kontrolle.
Vielleicht stellst du fest, dass du Konflikten häufiger ausweichst.
Oder du merkst, wie schnell du Verantwortung übernimmst.
Das Entscheidende ist nicht, welcher Buchstabe am Ende deines Tests steht.
Die spannendere Frage lautet:
Was machst du mit dieser Erkenntnis?

Du musst nicht jede automatische Reaktion abschaffen.
Aber du kannst lernen, sie früher zu erkennen.
Und manchmal reicht genau dieser kleine Moment, um nicht sofort in das alte Muster zu rutschen, sondern bewusst zu entscheiden:
Wie möchte ich jetzt reagieren?
Wenn du diesen Weg vertiefen möchtest, begleitet dich „Mein Ego hat Ferien“ mit Impulsen zur Selbstreflexion und zum bewussteren Umgang mit den eigenen Denk- und Reaktionsmustern im Schulalltag.
Kostenloses Probekapitel mit Mini‑Test erhalten und dich selbst besser kennenlernen
Mit dem kostenlosen Probekapitel bekommst du einen direkten Einblick, welche Verhaltensweisen von Schüler:innen dich triggern könnten.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ „Nach nunmehr 37 Jahren Lehrerdaseins und der Frage, was kann ich noch lernen, war das Buch in vielerlei Hinsicht überraschend. Es eignet sich hervorragend zur Selbsteinschätzung und bietet darüber hinaus Möglichkeiten, das eigene Handeln und Tun zu verbessern.“
Gymnasiallehrerin – 2025